You are currently viewing Rumänien und das Tal der Pflaumen

Rumänien und das Tal der Pflaumen

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kommentare:1 Kommentar

Keinen Plan zu haben ist eben doch das Beste

Unsere Idee war es in Ungarn langsam zu machen, ganz gemütlich halt.

Die Menschen sind alle sehr freundlich und die Straßen schrecklich. Das Einkaufen ohne Maske ist fast ungewohnt, aber herrlich. Gewöhnungsbedürftig ist die Währung, die Einheimischen werfen hier mit Tausendern um sich. 1 Euro sind ungefähr 360 Forint, da kostet ein Wocheneinkauf mal schnell 19000.

Ich war vor 20 Jahren bereits einmal in Ungarn – am Balaton natürlich. Ich hatte es sehr schön in Erinnerung. Wir dachten uns: Hey, schauen wir doch mal vorbei.

Nun ja, ich sag mal so: wir wissen nun, dass man den See mit ca. 200 km umrunden kann. Alles ist komplett mit Campingplätzen und Villen zugebaut und es gibt Angler, Angler und Angler.

Die Suche nach schönen, von der Natur umgebenen Stellplätzen war leider vergebens.

Da das Wetter zudem kalt und nass wurde, sitzen wir doch lieber im Arnold und wenn wir schon im Arnold sitzen, kann ich auch einfach weiterfahren. Schwups, waren wir dann schon an der rumänischen Grenze. Rumänien zieht uns irgendwie magisch an.

Kurz vor der Grenze kam Nele auf die glorreiche Idee nun doch mal unsere Pässe rauszukramen. Wir haben inzwischen drei Grenzübergänge hinter uns und uns ehrlich gesagt nicht ein einziges Mal Gedanken über das Vorzeigen der Papiere gemacht.

Zwei Minuten später: „Passport Please!“ Wir waren ein wenig nervös, fragen sie doch nach einen PCR-Test? …zum Glück nicht. Sie wollten lediglich wissen, was wir in Rumänien vorhaben und so erklärten wir ihnen, dass wir auf Biohöfen arbeiten wollen.

Für uns war es spannend, war es doch mit Arnold und den Kindern die erste richtige Grenzkontrolle. Wir wurden gebeten die Haustür zu öffnen, also öffneten wir. Wir baten ihn auch einzutreten, was er aber ablehnte. Er schaute sich einmal von links nach rechts um.

Während ein Beamter die Pässe kontrollierte, lief der Zweite ums Auto und grinste breit – die ganze Zeit. Als dann klar war, dass die richtigen Personen an Bord waren, hieß es „have a nice trip“.

Rumänien begrüßt uns

 So viele lachende Gesichter und Daumen hoch für uns und Arnold gab es schon lange nicht mehr. Die erste Nacht verbrachten wir an der alten Burgruine, der Hellburg bei Sirina.

Da wir den ganzen Tag im Auto saßen und alle noch etwas Bewegung brauchten, entschieden wir uns an dem unteren Parkplatz zu parken und hochzulaufen. Ok, es war etwas steil und die Kinder haben genörgelt, am Ende war es aber sehr schön. Es konnte gefühlt jeder deutsch sprechen, was wiederum irgendwie komisch war. Oben trafen wir zwei Reiter und die Kinder durften die Pferde streicheln, auch sollten wir uns vor der Ruine mit dem Pferden positionieren, weil der Besitzer von uns und für uns ein Foto machen wollten. Man könnte glatt meinen wir wären hoch geritten.

Unten wieder angekommen hatten wir einige nette Gespräche mit den Einheimischen, denn es war Sonntag und viele waren unterwegs, um ihr Wochenende zu genießen.

Unseren Abend ließen wir mit einem kleinem Feuer ausklingen und aßen Suppe. Da bekam ich Lust die Gitarre mal wieder raus zu holen und etwas zu üben. Spielen kann ich nicht wirklich, am Ende aber sangen die Kinder mit 3 Akkorden frei aus der Kinderseele über Frieden, Freiheit und Glückseligkeit. Es war so schön und herzergreifend. Dies sind Momente wo man als Elternteil weiß, dass man alles richtig gemacht hat.

Im Tal der Pflaumen

Über Workaway bekamen wir vor 4 Monaten eine Einladung nach Rumänien. Diese haben wir nun angenommen.

Vorher machten wir noch einen Stop beim Wasserfall ‚Cascada Clocota‘. Es war so schön und das Verrückte, es kam warmes Wasser herunter. Uns hüllte ein warmer Wasserdampf ein, wahrscheinlich wäre dieser sogar sehr heilend bei einer Erkältung. Zum Plantschen war es dann aber doch etwas zu kühl, da es regnete und windig war.

Einen Tag später landeten wir dann im Tal der Pflaumen.

Uns wurde vorher mitgeteilt, dass der Weg sehr schlecht sei und wir lieber im nächstgelegen Dorf parken sollten um die letzten 2 km zu Fuß hoch zu kommen. Im Sommer wäre es kein Problem, doch nun ist der Weg nicht nur steil sondern auch matschig. Oben angekommen entschieden wir jedoch, dass wir bis auf einige hundert Meter heran fahren können. Arnold der schafft das und dort hatten wir dann mal wieder den besten Stellplatz erwischt.

Das Dorf wird Stück für Stück wieder neu belebt. Hier leben zurzeit 4-5 Familien, gut verteilt. Der nächste Nachbar ist einen halben Kilometer oder mehr entfernt, teilweise ohne Wasser- und Stromanschluss, auch eine befestigte Straße gibt es nicht. Es ist alles sehr einfach, doch das reizt uns. Was es auf jedenfall gibt, sind Pflaumenbäume und Robinien.

Die Kinder rennen teilweise alleine durch die Wälder, manchmal mit einem Hund dabei, der aufpasst. Die Basissprache ist Englisch. Die Familien kommen von überall her, aus Finnland, Deutschland, Lettland, den Niederlanden und Rumänien.

Die Kinder wachsen meistens mindestens dreisprachig auf, da die jeweiligen Elternteile aus unterschiedlichen Ländern kommen. Alle wollen raus aus dem System, unabhängig sein. Uns beeindruckte außerdem die Stille. Auf den letzten 20 Kilometern gab es lediglich klitzekleine Dörfer und wir fuhren sachte nach oben und hinein in die Berge. Es war so still, dass wir es nicht fassen konnten – hatten immer noch das Industriegelände von Suhl im Kopf. Auch auf dem Weg hierher, an Stellplätzen in der Natur, gab es diese Stille nicht.

Nachts sind wir manchmal aufgewacht und konnten nicht wieder einschlafen, wir dachten immer – man hört wirklich nichts!

Wir waren so froh nun in Rumänien zu sein, so euphorisch, dass wir – bevor wir zur Offgrid-Community auf den Berg fuhren – ganz vergaßen all unsere Reserven zu füllen. Wir hatten kein Gas mehr, kein Wasser und kaum noch Lebensmittel. Also fuhren wir nach 5 Tagen wieder runter.

Das Wetter war schlecht und wir waren auf der einen Seite froh wieder runter zu fahren, um den nassen Klamotten und dem Matsch zu entkommen, andererseits fühlten wir uns hier sehr wohl. Die Menschen sind herzlich, die Landschaftlich herrlich und die Kinder haben sich mal wieder ordentlich ausgespielt. So war es doch nach einigen Wochen wieder der erste Kinderkontakt. Ich machte für die Dorfbewohner noch einige Luftaufnahmen, über die sie sich sehr freuten.

An der nächsten Quelle mitten in den Karpaten füllten wir unsere Tanks mit heiligem Wasser und wuschen den Schlamm mit dem eiskalten Wasser von all unseren Schuhen.

Unser nächster Stop soll die Wasserbüffelfarm bei Brasov sein. Sie wird von einem Inder bewirtschaftet, wir sind gespannt. Wie wohl Büffelmilch schmeckt?

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ralf

    Hi ihr fünf,
    so schön, wieder von Arnold zu lesen und schöne Photos zu sehen;-) Danke, dass ihr ihn so toll restauriert habt, dass er für die nächsten Jahre fit ist, mit euch neue Länder und Menschen kennen zu lernen! Und danke für die informativen und anschaulichen Schilderungen über die Länder und die Leute – weiterhin viel Spaß und viel Glück mit Arnold!

Schreibe einen Kommentar