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Water Buffalo

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Die Wasserbüffelfarm

Da sind wir nun auf der Wasserbüffelfarm bei Brasov!

Auch hier muss man mal wieder ganz genau wissen wo es lang geht. Eine Adresse gibt es nicht wirklich. Das Navi sagt uns „Sie haben ihr Ziel erreicht.“ Was wir sehen ist ein Feldweg zu dem wir vorher eine uns etwas suspekte Brücke überqueren müssen. Weit draußen auf dem Feld sehen wir bereits die Büffel und die Farm.

Der Feldweg führt quer durch die Büffelweide. Um zum Farmhaus zu kommen, öffnen wir zwei Tore. Dort angekommen, begrüßen uns sieben Hunde. Fünf davon sind riesengroß und flauschig.

Es gibt zwei Pferde, die etwas wie Hippies aussehen, da sie den ganzen Tag durch Kletten laufen und die Mähnen ein einziger Dreadhaufen sind. Es laufen einige Hühner herum und wie wir in den nächsten Tagen dann feststellten, ist es auch nicht unnormal morgens aufzuwachen und die Büffel am Fenster vorbei ziehen zu sehen, da sie ständig ausbrechen.

Die Büffelmilch ist übrigens mega lecker! Sie schmeckt eher nussig und hat mehr als 10 % Fettgehalt.

In den nächsten Tagen gibt es häufig Haferbrei mit Büffelmilch und Apfelmus aus dem Garten.

Leider erfahren wir, dass der Farmer momentan keine Zeit hat, um Büffelkäse und Joghurt herzustellen. Ich hatte mich sehr darauf gefreut. Aber gut, so ist es halt.

Mit Krishan, dem Farmbesitzer hatten wir bereits besprochen, dass er einen Tag nach unserer Ankunft für einige Tage verreist und wir erst einmal ankommen. Eventuell können wir schon mal anfangen ein altes Holzdach abzureißen, welches wir später wieder neu bauen sollen.

Außer uns gibt es noch einen rumänischen Farmarbeiter und seine Familie. Zu unserem Glück sprechen sie italienisch, das macht die Kommunikation in den nächsten Tagen leichter .

Norbert ist so richtig euphorisch, mal wieder seine Werkzeuge auszupacken und los gehts!

Es entwickelt sich zu einem Familienprojekt, die Kinder sind total begeistert und helfen mit, alte Bretter zu entnageln. Später testen sie die Konstruktion, klettern und balancieren was das Zeug hält. Als Krishan nach 5 Tagen wieder kommt,  haben wir das Dach bereits fast fertig. Für Norbert ist es ja eher ein kleines Warmup !

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Nun wird es kälter, nachts haben wir schon mal -4 Grad und unsere, sowie die Holzvorräte vom Krishan gehen zu Ende. Also wird die nächste Woche vom Holz machen bestimmt. Na, das kennen wir ja nur zu gut, da wir seit mehr als 15 Jahren nur mit Holz heizen, sind wir auf diesem Gebiet alte Hasen. Nach dem Sägen und Hacken muss das Holz noch gestapelt werden, unter dem neuen Dach natürlich. In Kürze findet ihr unter Projekte eine detaillierte Anleitung, wie wir es gebaut haben.

So, und da die Büffel ständig ausbrechen, sollen wir dann doch mal neue Zäune stecken. Am Ende bringt auch dies nichts. Den Kindern bereitet es aber große Freude, im offenem Kofferraum mitzufahren und ich kann Norbert endlich mal an die Leine nehmen. 🙂

Da wir selbstverständlich weiterhin in Arnold wohnen und die Hauswasserleitung kein Trinkwasser führt, müssen wir gelegentlich zum farmeigenem Brunnen fahren. Ganz klassisch mit Schnur und Eimer aus einem Loch, werden Stück für Stück die Tanks gefüllt. Dies dauert eine Weile, da wir den Eimer in einen Kanister umfüllen müssen, um diesen dann durch einen Trichter in unsere Tanks zu füllen. Spaß macht es trotzdem.

Nach 4 Wochen klettern, Feuer machen, Büffel einfangen und Hütten bauen, zieht es uns irgendwie weiter. Die Kinder fragen auch schon, wann es weiter geht. Norbert hat ein Jobangebot in Deutschland bekommen und wir überlegen tatsächlich kurz es anzunehmen und den Winter in Deutschland zu verbringen – ganz kurz aber nur.

Zeitgleich fragt uns Arvid, ein alter Reisegefährte, wie unsere Winterpläne aussehen und was wir von Griechenland halten.

Da ist es klar und die Entscheidung schnell gefällt – Sachen packen und los geht‘s!

Wieder einmal verabschieden wir uns von lieben Menschen, mit dem Wissen hier jederzeit wieder andocken zu können. Krishan möchte uns gar nicht gehen lassen. Gute Handwerker gibt es selten, außerdem haben wir uns prächtig mit ihm verstanden, dem lieben Chaoten, dessen Büffel ein Eigenleben führen.

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Wir nehmen uns vor, Rumänien nochmal im Frühling oder Sommer zu besuchen. Nun heißt es für uns einkaufen und Reserven füllen. Nach vier Wochen ist mal wieder Einiges aufgebraucht.

Es ist jedes Mal ein Kulturschock von einem idyllischen Ort in der Natur, in eine Stadt zu fahren und sich durch den Supermarkt zu wühlen. Danach bin ich jedes Mal total erschöpft von den vielen Geräuschen, Gerüchen und Menschenmengen.

Nachdem alles erledigt ist, suchen wir uns einen Schlafplatz. Große Sprünge machen wir heute nicht, ab morgen geht es in die Karpaten.

Es wird immer kälter und wir wollen versuchen zügig Richtung Süden zu kommen. An einem schönen Brunnen am Straßenrand machen wir noch einmal Halt.

Es ist ein Abenteuer und Linnea fühlt sich nach eigener Aussage wie früher! Ein großes, altes Wagenrad lässt den Eimer an einer Kette mindestens 5 Meter hinunter und kommt mit kaltem, super leckerem Wasser wieder hoch. Hier füllen wir wieder das Wasser aus dem Eimer in den Kanister und dann durch den Trichter in den Arnold.

Erstmal Picknick . Wir essen frisch gebackenes Brot und die Kinder tanzen in der Sonne. Nach einiger Zeit kommt eine ältere Frau des Weges und sie macht uns deutlich, dass sie auch gerne ein Brot hätte. Mit Händen und Füßen geht ja so einiges. Ich schneide ihr also eine dicke Scheibe ab und gebe ihr etwas Käse dazu. Strahlend zieht sie von dannen mit den Worten „Drum Bum, Drum Bum.“, was soviel bedeutet, wie: „Gute Reise, gute Reise“

Die Karpaten können wir recht zügig überqueren und wir entscheiden uns fernab von der Hauptstraße nach einem Schlafplatz umzuschauen. Wir werden fündig, es ist ein herrlicher Ort. Ich dachte es wäre eine kleine Nebenstraße. Diese wurde aber plötzlich zu einer Schotterpiste und führt uns an Wiesen, Feldern und Einsiedlerhöfen vorbei.

An einer Parkbucht mit Blick auf die Wiese und dem Waldrand im Rücken entscheiden wir uns zu halten. Ziemlich bald kommen einige Autos, sowie die üblichen rumänischen Pferdewagen. Alle sind voll beladen mit Holz und es wird stets voller Freude gegrüßt. Es kommt sogar ein Hirte vorbei mit seinen Schafen und Ziegen. Auch er grüßt sehr freundlich und grinst uns an. Wir denken, er hätte sich gerne unterhalten.

Bei dem vielen Verkehr, überlege ich vielleicht doch weiterzufahren, da sich unsere Parkbucht als eine Ausweichspur entpuppte und ich nicht im Weg stehen möchte. Da aber niemand etwas sagt und alle sehr gelassen wirken, bleiben wir.

Und dies war eine gute Entscheidung. Kurz nach der Dämmerung hält ein Auto neben uns. Es ist der Hirte, mit einem Grinsen im Gesicht und einigen Sätzen die wir nicht verstehen. Er überreicht  uns einen Beutel mit Lebensmitteln, frischem, hauseigenen Ziegenkäse, Brot, Tomaten, Zwiebeln, Chillis.

Wir sind sehr gerührt und freuen uns riesig.

Da teile ich das nächste Mal doch gerne wieder mein Brot, wenn das Universum es so schnell wieder zurück gibt. Sogar die Kinder,  die ja sonst eher wählerisch sind, mögen den kräftigen Ziegenkäse sehr gerne.

Durch Bulguarien sausen wir in zwei Tagen, dort gibt es seit März 2021 ein neues Mautsystem, welches für Reisende über 3,5t echt nervt!

Da wir nicht gewerblich unterwegs sind – sprich kein LKW sind, müssen wir uns einen sogenannten Routepass besorgen. Dieser gilt für 24 Stunden und wir müssen genau unseren Ziel- und Startpunkt angeben.

Vom System wird dir nun eine Route berechnet, welche du zu fahren hast. Du kannst noch Zwischenpunkte wählen und so die Route etwas anpassen. Für Menschen wie uns, die gerne ins Blaue herein fahren und auch mal schnell vom Weg abkommen, wenn wir etwas interessantes entdeckt haben, ist dies mehr als ungeeignet. So fahren wir bei Vidin über die Grenze, übernachten bei Sofia und fahren dann bei Kulata wieder raus.

Zwei Tage später also finden wir uns dann auf griechischem Boden wieder. Wir wollen uns bei Ioannina mit Arvid treffen um dann gemütlch an der Westküste mit ihm gemeinsam in Richtung Süden zu schippern. An den Temperaturen merkt man sofort, dass wir nun einige Berge hinter uns gelassen haben und die Kinder kramen ihre Sommersachen wieder raus.

Nebenbei gesagt – mit jedem Land welches wir durchqueren wird die Welt kleiner. Früher sprach man schon von einer Reise wenn man vom Harz nach Südbayern fuhr. Wenn wir heute irgendwo hin fahren, heißt es „Ach guck mal, es sind nur 1500 km“.

Überall sehen wir sehr freundliche und nette Gesichter sowie auch Grantelbärte. Wobei wir ganz klar sagen können, dass die Freundlichkeit überwiegt.

In Ioannina treffen wir dann auf den Rumpel mit Besetzung. Am nächsten Tag wollen wir weiterfahren. Die Wiedersehensfreude ist riesig! Vor 1,5 Jahren haben wir unsere Tour doch praktisch von ihm aus gestartet und wollten uns seitdem wieder auf der Straße treffen.

Und da sind wir nun, gespannt auf die Abenteuer und gemeinsame Zeit. Arvid reist mit seinem Sohn in dem Rumpel. Unsere Kinder und Arnold freuen sich mal wieder über Gleichgesinnte.

Unser erster Stellplatz liegt an einer schönen Bucht, die Kinder springen sofort ins Wasser und bleiben stundenlang drinnen. Das erste kleine Abenteuer lässt auch nicht lange auf sich warten. Wir haben uns im Sand festgefahren und der Rumpel zieht uns raus. Dies ist uns tatsächlich vorher nie passiert…

Und so fahren wir weiter, die Nase in den Wind und die Segel gestrafft!

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